Spielt Europa in der Zukunft wirtschaftlich noch eine Rolle?
14. Oktober 2025
Vom Kalten Krieg zur neuen Weltordnung: Der Liberale Klub Oberösterreich widmete seinen Klubabend im Palais Kaufmännischer Verein dem Thema „Vom Kalten Krieg zur neuen Weltordnung – Welche Rolle kann Europa noch spielen?“. Vor vollem Saal spannte der Volkswirt und Bestseller-Autor Dr. Markus Krall einen Bogen von den geopolitischen Verschiebungen seit dem Ende der Blockkonflikte bis zu den aktuellen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen für Europa.
Krall zeichnete das Bild einer Welt, die sich von der Dominanz der USA hin zu einer verteilten Machtordnung entwickelt. Anhand von Beispielen – von den Reformen in Argentinien über die Energie- und Deindustrialisierungskrise Europas bis hin zum Machtanspruch Chinas und Russlands – zeigte der Volkswirt, wie eng wirtschaftliche Stärke, Währungsfragen und geopolitischer Einfluss verknüpft sind. Die EU, so seine Diagnose, stecke in einer Strukturkrise: verteuerte Energie, hohe Abgabenlast und Bürokratie schwächen Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.
Eindringlich warnte Krall vor den Folgen verfehlter Wirtschafts- und Geldpolitik. Am Beispiel Argentiniens illustrierte er, wohin sozialistische Experimente, Dauerdefizite und billiges Geld führen können – bis hin zu Inflation, Schuldenkrisen und dem Verfall staatlicher Institutionen. Dem stellte er das aktuelle Reformprogramm in Buenos Aires als Gegenstrategie gegenüber: Ausgabenkürzungen, ein schlankerer Staat und eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien.
Im Anschluss vertiefte eine lebhafte Podiumsdiskussion die Frage, welche Handlungsspielräume Europa in dieser neuen Weltordnung noch besitzt. Unter der Moderation von Christian Horvath diskutierten Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch und NAbg. Dr. Susanne Fürst die Perspektiven des Kontinents. Haindl-Grutsch hob Binnenmarkt und industrielle Basis als Stärken hervor, warnte aber vor weiterer Standortschwächung durch Überregulierung und hohe Energiepreise. Fürst kritisierte die fortschreitende Kompetenzverlagerung nach Brüssel und mahnte mehr demokratische Kontrolle bei zentralen Weichenstellungen ein.
Die vielen Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, wie sehr die Sorge um Europas künftige Rolle in der Weltordnung die Besucher beschäftigt. Beim abschließenden Buffet setzten die Gäste die Diskussion fort – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Liberale Klub Oberösterreich mit Veranstaltungen wie dieser ein wichtiges Forum für offene, fundierte und pointierte Debatten bietet.
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